10 Kommunikationsplattformen im Schnell-Check

Wir haben uns DieSchulApp, Elternnachricht, Netzklasse, Notiz, SchoolFox, Schul-Info-App, Sdui, Sharezone, Nicole und WhatSchool genauer angeschaut. Unten findet ihr den Schnell-Check.

Im letzten Post zu Leitfragen für Plattformen hatte ich angekündigt, dass ich unbedingt etwas über die Anbieter von Kommunikationsplattformen* für Schulen schreiben muss. Denn ich hatte den Eindruck, dass hier im Zuge der Corona-Pandemie neben etablierten Produkten auch neue, teils fragwürdige Angebote mit auffallend professionellem Marketing auf den Markt kommen. Bei manchen war nicht sofort klar, wer oder was dahinter steckt. Um dem Eindruck nachzugehen, haben meine Kollegin @lehnski, ebenfalls Medienberaterin, und ich einige Produkte genauer angeschaut und wollen sie hier in einem Schnell-Check darstellen.

Einteilung in Lern-, Kommunikations- und Arbeitsplattformen
* Die Einteilung findet sich unter anderem in der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Sie definiert eine Arbeits-, Lern- und Kommunikationsplattform – neben vielen anderen Aspekten – als „integralen Bestandteil schulischer IT-Strukturen“, damit orts- und zeitunabhängig darauf zugegriffen werden kann (KMK, 2016, S. 40). Da ich aber noch keine Plattform kenne, die all meine Wünsche an eine digitale Schule erfüllt, also sowohl Lernplattform als auch Kommunikations- und Arbeitsplattform in einem ist, muss ich als Schule immer zwei oder drei Plattformen kombinieren (was dann wieder neue Anforderungen mit sich bringt, zum Beispiel an ein separates Identity- und Access-Management oder Interoperabilität). Die meisten Plattformen lassen sich einer der drei Kategorien zuordnen, weil sie einen Schwerpunkt setzen. In diesem Post geht es um Kommunikationsplattformen. Plattformen wie Moodle, itslearning, IServ oder Schulmanager Online findet ihr hier nicht, denn sie haben ihren Schwerpunkt im Bereich Lernen oder Arbeitsorganisation.

Unsere Informationen haben wir von den Webseiten der Anbieter bezogen, aus Demos, Test-Instanzen oder Produktpräsentationen und aus einem Fragebogen, den wir allen Anbietern zugeschickt haben (nicht alle haben geantwortet). Wir haben nach Softwareentwicklung, Finanzierung und Förderung gefragt, nach aktuellen Preisen, Serverstandorten, Datenschutz, nach AVV, Support und mehr. Denn nicht bei allen Anbietern konnten wir sofort erkennen, welche Firma das Produkt anbietet oder wie sich der Dienst finanziert – es sind schließlich auch kostenlose Angebote darunter, und irgendwie müssen sie sich ja auch finanzieren. Aber lest selbst.

Unsere Informationsgrundlage

Die Auswahl ist natürlich nicht vollständig. Wir haben uns auf Produkte beschränkt, die sich den so genannten Kommunikationsplattformen zuordnen lassen, also denen, die die Kommunikationsfunktion zwischen Schule und Schülern und Eltern bei ihrem Produkt in den Vordergrund stellen, z. B. per Messenger oder Video-Konferenztool. Die Auswahl resultiert aus den bei uns eingehenden Beratungsanfragen, aus unserer Berufserfahrung und aus unserer Marktbeobachtung, und sie ist letztlich begrenzt durch unsere Kapazitäten neben unserem Beruf.

Sammlungen von Plattformen
Viele Anbieter findet ihr in verschiedenen (neuen) Sammlungen: das Bündnis für Bildung und die Bitkom kommentieren kurz verschiedene Angebote, die Sammlung unter homeschooling-corona.com der FDP-Großspenderin Verena Pausder sieht chic aus, hilft aber nicht weiter, da sie nur Links zusammenstellt. Am besten schaut ihr regelmäßig auf der stetig wachsenden Seite der PH Schwyz vorbei, da werden immer hilfreiche Tipps zu Plattformen gegeben, zum Beispiel auch, dass man in diesen stressigen Zeiten besser keine neue Plattform an der Schule einführt.

Wir machen das nebenbei und unabhängig, wir bekommen nichts dafür und lassen uns nicht beeinflussen. Unsere Einschätzungen sind keine rechtsverbindlichen Auskünfte, keine datenschutzrechtlichen Bewertungen und keine Kaufempfehlungen. Wir schauen nur genauer hin, ob das, was der Anbieter verspricht, auch drinsteckt, und ob es für Schulen aus unserer Perspektive als Lehrkräfte und Medienberater sinnvoll erscheint.

Am Anfang stehen die Leitfragen

Denn eine Plattform mit nur wenigen Funktionen muss nicht sinnvoll sein, so toll diese Funktionen auch sein mögen. Die Einführung einer Plattform ist sehr aufwändig: Datenschutz prüfen, Auftragsdatenverarbeitungsvertrag (AVV), Verfahrensverzeichnis, Einwilligungen der Betroffenen, ggf. Nutzerordnung, Benutzerverwaltung, Schulungen und und und. Viel wichtiger als digitale Elternbriefe ist daher der schulische Prozess der Entscheidungsfindung. Was möchten wir als Schule „digitalisieren“? Nur die Kommunikation? Oder auch Organisationsprozesse? Oder endlich das Lernen der Schülerinnen und Schüler? Für diesen Entscheidungsprozess haben wir hier Leitfragen zusammengestellt. Wenn diese Fragen beantwortet sind, hat man zwar noch keine geeignete Plattform gefunden, aber viele scheiden dann vermutlich schonmal aus.

DieSchulApp.de

Werbeslogan 

DieSchulApp will die digitale Software für die Organisation und Kommunikation an der Schule sein. Funktionen wie Nachrichten, Stundenplan, Klassenbuch oder Ressourcenverwaltung sollen den Schulalltag erleichtern.

Funktionen 

Es gibt viele buchbare Module: Nachrichten können an Klassen und Gruppen versendet werden, inklusive Dateianhängen und Lesebestätigungen. Kalender für einzelne Klassen oder die gesamte Schule können gemeinsam eingesehen werden, Stunden- und Vertretungsplan ebenfalls. Ressourcenbuchung und ein digitales Klassenbuch sind weitere Module. Schülerinnen und Schüler können sich per App krankmelden. Der Elternsprechtag kann ebenfalls mit Hilfe der App organisiert werden. Die Nutzung geschieht via App oder Website. Das Modul Video-Unterricht ist kurzfristig hinzugekommen, es sieht nach einer Integration von BigBlueButton (Open-Source-Software) aus.

Software 

Eigene Softwareentwicklung des Anbieters Virality GmbH mit Sitz in München, seit 2015 am Markt, läuft auf deutschen Servern. 

Kosten 

Die Kosten werden pro Modul berechnet, mit beliebiger Anzahl Nutzer, laut Anbieter zahlen Schulen durchschnittliche zwischen 700 und 1.400 Euro jährlich. Bis 31.08.20 ist die das Angebot kostenlos.

Unser Eindruck 

DieSchulApp passt eigentlich nicht so ganz in diese Kategorie, da sie viel mehr als Kommunikationsfunktionen anbietet. Die vielen Funktionen kosten dann auch ihren Preis, werden aber auch stetig ausgebaut.

Elternnachricht.de

Werbeslogan 

Einfache Lösung für den Versand von Elternbriefen und Mitteilungen mit Lesebestätigung.

Funktionen 

Nachrichten an Eltern und SchülerInnen versenden, Dateianhänge, Umfragen und Lesebestätigungen können mitgeschickt werden, Umfragen werden ausgewertet. Elternsprechtage oder Termine allgemein können mit vielen Eltern koordiniert werden. Generiert aus der Online-Nachricht auch eine Druckvorlage für Eltern, die Elternbriefe noch auf Papier bekommen möchten.

Software 

Eigene Softwareentwicklung der beiden Gründer Ferdinand Sommer und Johannes Höller, Sitz der GbR in München, seit 2017 am Markt, läuft auf deutschen Servern. 

Kosten 

2,50 Euro pro Klasse pro Monat, weitere Funktionen kosten extra, eine Schule mit 200 Schülern läge mit allen Funktionen bei rund 430 Euro pro Jahr inkl. Support.

Unser Eindruck

Die Druckvorlagen-Funktion ist smart, allerdings beschränkt sich das Tool aktuell nur auf das Versenden von Nachrichten und Organisieren von Terminen, andere Anbieter haben für das gleiche Geld unter Umständen mehr im Gepäck, bitte prüfen.

Netzklasse.com

Werbeslogan 

Virtuelles Klassenzimmer per Video-Konferenz für Lehrkräfte. Läuft laut Anbieter im Browser oder als App.

Funktionen

Das Video-Konferenz-System bietet eine Präsentationsfunktion, ein Whiteboard und einen Chat. Die einzelnen Video-Konferenzen können in einem Kalender geplant werden, in einem Ordner-System können Dateien hochgeladen werden, es werden aber nur wenige Dateiformate unterstützt: PDF, JPG, PNG, GIF, BMP.

Software 

Die Basis-Software für netzklasse des Anbieters Kuravisma GmbH bildet die Softwareeigenentwicklung des Schwesterunternehmens Bridge ITS GmbH, die seit 2016 von Versicherungs- und Finanzdienstleistern für Video-Kundenberatung genutzt wird.

Kosten

Kosten werden nicht angegeben. Bis 31.07.20 ist der Dienst kostenlos. Man arbeite an einem Preismodell.

Unser Eindruck 

Netzklasse gibt es seit 2020. Das Hauptprodukt des Anbieters Bridge ITS GmbH ist eine Software für Video-Kundenberatung für Versicherungs- und Finanzdienstleister. Der Anbieter warb kurzzeitig damit, “klassischen Unterricht online” ermöglichen zu können, der fragwürdige Werbesatz steht aber nicht mehr auf der Homepage, denn klassischer Unterricht lässt sich nicht online abbilden. Hier möchte jemand seine branchenspezifische Software im Bildungsbereich vermarkten. Es ist eine Video-Konferenz-Software, nicht mehr und nicht weniger.

notyz.de

Werbeslogan  

Notyz ist ein kostenloses Online-Redaktionssystem für Schulen und Kindergärten in Kooperation mit lehrer-online.de und erlaubt Anwendern das einfache Erstellen und Verteilen von Nachrichten und Informationen via App oder Website.

Funktionen 

Nachrichten können an verschiedene Gruppen innerhalb des Systems versendet werden, allerdings sehen immer alle Gruppen alle Nachrichten. Dateianhänge können mitgeschickt werden, Kalender und Stundenpläne können eingestellt werden, sind aber auch für alle Klassen und Gruppen sichtbar. 

Software 

Es scheint sich um eine Eigenentwicklung zweier Programmierer der Firma Apps for Cities aus Halle (Saale) zu handeln. Ursprünglich wurde der Service als Städte-Info-App entwickelt. Die App wiederum wird von der niederländischen Firma Apps for Cities B. V. in die App-Stores gestellt. Die Daten würden bei 1&1 in Montabaur gehostet. Antworten zur Klarstellung hierzu haben wir nicht erhalten. Die App fragt den Standort zu Beginn ab, diese Funktion ist jedoch nicht notwendig und sollte nicht abgefragt werden. In der Demo-App konnte der Bildschirm nicht gedreht werden und damit horizontal eingebettete Inhalte (z. B. eine LearningApp) nicht komplett angezeigt werden. 

Kosten 

Der Dienst ist kostenlos, Finanzierung und Form der Kooperation mit lehrer-online sind aber bisher unklar.

Unser Eindruck 

Unsere Fragen wolle man nicht beantworten, wurde uns mitgeteilt. Auch das Portal lehrer-online.de hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet. Fragen zur Software bleiben deshalb offen, und es konnte nicht geklärt werden, wer genau der Anbieter ist und wie sich das Angebot finanziert.

SchoolFox.com

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SchoolFox will der Messenger für Schulen sein, jetzt auch mit Video-Unterricht.

Funktionen 

Nachrichten an Eltern und SchülerInnen versenden, Dateianhänge und Lesebestätigungen können mitgeschickt werden. Kalender für einzelne Klassen oder die gesamte Schule können gemeinsam eingesehen werden. Krankmeldungen können per App erfasst werden. Elternsprechtagsorganisation via Produkt möglich, auch Ruhezeiten für LehrerInnen sind einstellbar. Beim Dateiupload werden auch Formate wie Powerpoint erkannt. Videokonferenz bis 100 Teilnehmern mit dem externen Anbieter Eyes On, es sind aktuell maximal 9 Teilnehmern gleichzeitig sichtbar. Die App selbst unterstützt 14 Sprachen, Mitteilungen können in 40 Sprachen angezeigt werden. Eltern können mit dem Finger auf dem Handydisplay unterschrieben. 

Software 

Eigenentwicklung eines Start-Ups aus Österreich, Fox Education Services GmbH mit Sitz in Wien.

Kosten 

Die Basic-Version ist kostenlos, die Plus-Version kostet 5 Euro pro Schuljahr und Schülerin bei Einzelnutzung, als Schullizenz ab 1,11 Euro pro Schüler, bei 200 Schülerinnen sind das rund 400 Euro jährlich.

Unser Eindruck 

Wenn mit Eltern kommuniziert werden soll, dann sollten zwei Klassen erstellt werden (wichtig in Bezug auf die Kosten), eine für Schüler, eine für Eltern. Der Import der Schülerinnen sollte mit Zugriff auf die Schulverwaltungssoftware geschehen, spontan von zuhause aus zu starten ist kaum möglich. Es ist somit wenig sinnvoll, Schoolfox nur für eine Klasse zu nutzen. Wir haben vom Anbieter keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Schul-Info-App.de

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Die Schul-Info-App bietet Nachrichtenversand mit Lesebestätigung oder digitaler Unterschrift in eine Richtung.

Funktionen 

Die Basisversion beinhaltet die Funktionen Nachrichtenversand und Kalender. Durch Zahlung eines Aufpreises können Abwesenheiten und Rückmeldungen verwaltet werden, Schülerinnen und Eltern können aber nicht antworten. Der Anbieter wirbt explizit damit, dass es kein Chat-Programm ist.

Software 

Die Software wurde ursprünglich zur Kommunikation in Kitas entwickelt und dann auf den Bereich Schule übertragen. Die Website des Anbieters fragt beim Aufruf viele Daten ab (z. B. den Standort), die zur Verwendung der Website nicht notwendig sind.

Kosten 

Die Kosten werden gestaffelt nach Schülerzahl berechnet, bei 200 Schülerinnen sind das rund 792 Euro jährlich in der Basis-Version bzw. 936 Euro jährlich in der Premium-Plus-Version.

Unser Eindruck 

Die Schul-Info-App ist ziemlich teuer für das, was sie kann, eine Schule mit 600 Schülerinnen landet bei 1.400 Euro jährlich – für den Versand von Einbahnstraßen-Nachrichten. 

Sdui.de

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Der Anbieter Sdui wirbt mit Chat, News, Stundenplan und Cloud. Darüber hinaus sollen weitere Services anbindbar sein. Die Entwickler sehen ihr Produkt als Ergänzung zu bestehenden umfangreichen Plattformen wie zum Beispiel IServ.

Funktionen 

Das Verschicken von Nachrichten und das temporäre oder ständige Öffnen von Chats ermöglichen einen internen Austausch. Es ist ein Cloudspeicher für Dateien angebunden, in welchem Schülerinnen und Schüler ihre Arbeitsergebnisse speichern und an die Lehrkraft verschicken können. Damit ist aber kein Online-Office verbunden. Anbindungen von Drittanbietern wie z. B. Moodle sind möglich. 

Software 

Sdui ist seit 2018 offiziell am Markt. Es handelt sich möglicherweise um eine eigene Entwicklung des User Interface (Bedienoberfläche), dahinter vermuten wir Open-Source-Produkte wie Nextcloud, um den Dateiserver zu ermöglichen. Wir haben vom Anbieter keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Kosten 

Die jährlichen Lizenzen kosten pro Nutzer beginnen bei 1,45 Euro netto, hinzu kommt eine einmalige Einrichtungsgebühr von 495 Euro. Eine Schule mit 200 Schülerinnen zahlt also etwa 350 Euro jährlich, bei 600 Schülerinnen sind es 1.044 Euro jährlich.

Unser Eindruck 

Wer sich für Sdui entscheidet, wird vermutlich noch weitere Ergänzungen brauchen. Der Anbieter sieht das Produkt als Ergänzung z. B. zu IServ. Wir sehen keine Ergänzung, Arbeitsplattformen wie IServ bieten nahezu identische Funktionen und noch viel mehr. Der Anbieter wirbt aktuell in Produktpräsentationen mit Schulen, die kostenpflichtige Drittprodukte wie z. B. die Webinar-Software Edudip anbinden, das ist nicht gerade guter Stil. Leider hat die Sdui GmbH nicht auf unsere Anfrage reagiert.

Sharezone.net

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Sharezone ist ein Messenger für die Klasse, der mit einem Hausaufgabenheft, einem Terminplaner, einer Dateiablage und einigem mehr ergänzt wird.

Funktionen 

Sharezone bietet laut Website einen gruppenbezogenen Messenger mit weiteren Funktionen: unter anderem könne ein Stundenplan, ein Terminplaner, ein Benachrichtigungssystem und eine Dokumenten-Cloud für Dateien, Hausaufgaben usw. genutzt werden. Das Verschicken von Nachrichten und das temporäre oder ständige Öffnen von Chats ermöglichen einen internen Austausch.

Software 

Es handelt sich um eine Entwicklung (seit 2018) des jungen Start Ups Sharezone GbR aus Düsseldorf. Wir vermuten eine Kombination aus Eigenentwicklung und verschiedener Open-Source-Software. Aktuell befindet sich die App in einer offenen Beta-Version, jeder kann die Testversion der App herunterladen und benutzen.

Kosten 

Die Beta-Version ist kostenlos, Angaben zu späteren Preisen haben wir nicht erhalten.

Unser Eindruck 

Nette Funktionen wie viele andere Produkte, aber aktuell in einem Status, der keine weiteren Beurteilungen erlaubt. Wir haben vom Anbieter keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten.

Vicole.de

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Der Anbieter LionGate AG bietet Schulen ein kostenloses digitales Klassenzimmer mit Online-Dateiablage und Video-Konferenz-Tool. Das Vicole-Team legt dafür die notwendigen Accounts und Strukturen an. Der Anbieter weist korrekt darauf hin, dass dies erst nach Abschluss eines Vertrags zur Auftragsdatenverarbeitung (AVV) durch die Schule mit LionGate als Betreiber der Plattform geht.

Funktionen

Das Video-Konferenz-Tool enthält eine Präsentationsfunktion, ein Whiteboard und einen Chat. In einer Video-Konferenz können weitere “Räume” geöffnet werden, so genannte “Breakout-Räume”, zum Beispiel für Gruppenarbeiten. 

Software 

Als Software für vicole wird die Open-Source-Software Nextcloud genutzt, für die Video-Konferenzen wird sie mit der Open-Source-Software BigBlueButton verknüpft. Von den vielen Funktionen einer Nextcloud steht nur die Dateiablage zur Verfügung.

Kosten

Der Dienst ist “aktuell kostenlos”. Der Anbieter “möchte helfen” in der Krise. Eine firmeneigene Preiskalkulation, die wir bei unserer Anfrage erhalten haben, geht bei einer Schule mit 600 Schülern und 50 Lehrkäften von ca. 1.500 Euro monatlich aus.

Unser Eindruck 

Utopisch. Spätere Kosten von rund 1.500 Euro monatlich (!) sind für keine Schule bezahlbar, wenn der Anbieter sein Produkt irgendwann monetarisieren wird. Und dabei werden die vielen nützlichen Funktionen einer Nextcloud nicht ausgeschöpft. Der Anbieter LionGate ist normalerweise in den Branchen Telekommunikation, Medien, Energie, Banken und Versicherungen tätig. Dort können solche Preise möglicherweise gezahlt werden, im Bildungsbereich wohl kaum.

WhatsSchool.de

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Der Anbieter Wemakefuture GmbH bietet mit WhatsSchool ein virtuelles Klassenzimmer per Video-Konferenz für Lehrkräfte.

Funktionen

Das Video-Konferenzsystem bietet eine Präsentationsfunktion, ein Whiteboard und einen Chat. In einer Video-Konferenz können weitere “Räume” geöffnet werden, so genannte “Breakout-Räume”, zum Beispiel für Gruppenarbeiten. 

Software 

Die Basis von WhatsSchool bildet die kostenlose Open-Source-Software BigBlueButton, die laut Anbieter um “zusätzliche Programme und eigene Produkte der Anbieter” ergänzt wird.

Kosten

Die Kosten belaufen sich auf monatlich 2,38 Euro brutto pro Arbeitsplatz (= pro Lehrkraft Teilnehmer (edit 28.04.)), bei einer Bestellung von mindestens 100 (!) Arbeitsplätzen. Für kleine wie große Schulen fallen also mindestens 238 Euro monatlich (!) oder 2.856 Euro jährlich an, nur für Video-Konferenzräume. Dazu kommen einmalige Installationskosten in Höhe von 1.000 Euro an.

Unser Eindruck 

Das Produkt ist nicht nur völlig überteuert, sondern auch fernab der Schulrealität, wenn mindestens 100 Lehrerlizenzen gekauft werden müssen. Der Anbieter rechnet in einem Preismodell vor, dass ja nie alle Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte gleichzeitig in Video-Konferenzen seien und sich Lizenzen somit teilen könnten. Aber auch dann sind 100 Lizenzen für kleinere Schulen zu viele.  Unklar bleibt auch, wie viele Video-Konferenzräume damit gleichzeitig möglich sind. (edit 28.04.) Es handelt sich um eine Open-Source-Software, die jeder Schulträger auch auf einem eigenen Server installieren und seinen Schulen anbieten könnte, auch wenn es it-technisch nicht trivial ist. Ein AVV wird auch auf Nachfrage nicht zugeschickt, er sei “individuell abzustimmen”. Wir würden es nicht empfehlen.

Mein Fazit

Die hier vorgestellten Apps braucht es nicht unbedingt. Sicher, alle bieten nützliche Funktionen, sie decken aber nur einen kleinen Teil der vielen Aufgaben in Schulen. Und dafür braucht es nicht eine Vielzahl an Plattformen, sondern wenige mächtige. Wenn Schulen sich fragen, wie sie die Kommunikation zu den Eltern (meist im Bereich Grundschule) oder zu den Schülerinnen und Schülern (in weiterführenden Schulen als WhatsApp-Ersatz) digital und rechtssicher abbilden können, haben sie viele Aspekte einer digital agierenden Schule noch nicht bedacht.

Denn das Lernen sollte im Vordergrund stehen: Aufgaben im digitalen Wochenplan, individuelle Lernplaner und E-Portfolios für jede Schülerin und jeden Schüler, unterrichtsbegleitetes Blended Learning, vertiefendes, individuelles E-Learning … Das lässt sich über Learning-Management-System organisieren, und die bieten fast immer auch Funktionen zur Kommunikation mit allen Beteiligten, dann noch eine kollaborative Arbeitsplattform mit Online-Office und Sharing-Funktionen, dann noch einen Anbieter für schulische Organisationsaufgaben wie digitales Klassenbuch, alle drei Plattformen kombinieren, und fertig, jedenfalls fast. Aber das muss jede Schule natürlich für selbst herausfinden. Oder auf Landeslösungen vertrauen.


In der ersten Version des Artikels hatte ich das Preismodell von WhatsSchool nicht ganz korrekt dargestellt. Ich habe das korrigiert und vermerkt.

Bildnachweis: Die meisten Logos standen bei den Anbietern zum Download zur Verfügung. Alle Rechte verleiben bei den Anbietern.

6 Replies to “10 Kommunikationsplattformen im Schnell-Check”

  1. Schön mal einen Vergleich verschiedener Dienste zu finden, wo man auch Preisangaben findet. Vielen Dank dafür!
    Allerdings verstehe ich die Beschreibung zu Sharezone nicht. Sharezone ist kein Messenger und wird auch auf der Website als Schulplaner beschrieben. Einen Chat gibt es nicht, lediglich Kommentare zu Infozetteln oder Aufgaben können genutzt werden.
    Zudem wäre ich im Fazit auch an Empfehlungen der passenden Learning-Management-Systeme interessiert, die als bessere Alternative dargestellt werden. Sind damit Dinge wie Moodle oder der Schul-Cloud des HPI gemeint? Haben nicht viele Apps mittlerweile einen ähnlichen Umfang? Oder ist dort einfach die Qualität besser? Gerade bei Videochats o.ä., sollte es ja auch mit vielen Leuten stabil laufen. Eine zusätzliche Office Lösung ist natürlich wichtig. Ein digitales Klassenbuch bietet aber doch auch quasi jede zweite App und jedes Learning-Management-System oder?

    1. Danke für deine Rückmeldung, Matze!

      Zu Sharezone: Eine Messenger-Funktion wird auf der Website aufgelistet und im Promo-Video auch gezeigt. Leider wurden unsere Fragen nicht beantwortet.

      Zu LMS: Wir wären auch an einem umfassenden Vergleich von LMS interessiert, wir kennen keinen für den Schulbereich (im Hochschulbereich gibt es hierzu interessante Vergleichsarbeiten, wenngleich meist auch älter). Mit LMS sind Moodle, ILIAS oder HPI gemeint, richtig, die aber auch alle keine All-in-One-Lösung sind. Hier muss man genau hinschauen, ob ein Office angedockt werden kann oder ein Video-Tool on board ist oder wieder nach einer zusätzlichen Arbeitsplattform schauen.

      Die Zeit für einen solchen Vergleich hatten wir bisher noch nicht. Ich könnte mir gut eine Kombi aus einer Nextcloud und Moodle vorstellen (Googles G Suite böte das in einem), dann vielleicht noch den Schulmanager Online, wenn man das meiste Organisatorische auch digital machen will (Klassenbuch, Geld einsammeln und sowas), dann hätte man sicherlich eine große Erleichterung in vielen Bereichen.

  2. Wir sind eine kleine Grundschule aus Frankfurt und nutzen bereits notyz. Ich bin sehr mit diesem Tool zufrieden und das notyz Team ist immer hilfsbereit. Unsere Eltern sind total begeistert und es ist KOSTENLOS!!!!.. Keine Daten der Eltern nötig und kein Emailchaos.

    1. Es freut mich, wenn das Tool für Ihre Bedürfnisse das richtige ist. Leider wollte uns die Firma keine Auskünfte geben. Wie Sie wissen, bezahlt man immer, auch und gerade wenn etwas kostenlos ist. Hier hätten wir uns gerne Transparenz zur Finanzierung und zur Form der Kooperation mit Lehrer-online.de gewünscht.

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