Pro Internet-Führerschein – So argumentiert eine Schülerin

Johanna geht in die 8. Klasse. Sie lernt an einem durchschnittlich analogen Gymnasium. Hier erörtert sie die Frage, ob ein Internetführerschein sinnvoll sein könnte. Der Text entstand im Rahmen einer Unterrichtsreihe.

Ein Gastbeitrag von Johanna (8a)

Mit Interesse habe ich verschiedene Diskussionen in den Medien verfolgt. Ein wesentlicher Streitpunkt für viele Lehrer, Eltern und Jugendliche ist die Frage, ob ein Internetführerschein für Jugendliche unter 14 Jahren eingeführt werden solle. Weil ich selbst oft noch Fragen zum richtigen Verhalten im Internet habe, bin ich der Meinung, dass ein Internetführerschein sinnvoll ist. Im Folgenden werde ich die wichstigsten Pro- und Kontra-Argumente gegenübersellen.

Ein Argument, das für den Internetführerschein spricht, ist die Tatsache, dass man lernt, gezielt zu recherchieren und zuverlässige Internetseiten zu erkennen. Damit meine ich zum Beispiel, dass ich für den Politikunterricht vor einigen Wochen einen Vortrag über die EZB vorbereiten sollte. Allerdings hat dies viel Zeit in Anspruch genommen, da sich einige Informationen von Quelle zu Quelle unterschieden und widersprochen haben. Mit einem Internetführerschein hätte ich gewusst, welchen Seiten ich vertrauen kann.

error-101408_1280Dagegen kann man einwenden, dass man oft in der Schule nützliche Internetseiten für die Recherche empfohlen bekommt. Was mich auch direkt zu meinem ersten Kontra-Argument führt: Schüler lernen heutzutage schon im Unterricht, wie man sich im Internet verhält und was erlaubt oder verboten ist. Ein Beispiel dafür ist unsere Klassenleiterstunde, in der wir uns im letzten Schuljahr eingehend mit dem Thema Sicherheit im Netz beschäftig haben.

Gegen dieses Argument spricht allerdings, dass der Unterricht teilweise nur sehr oberflächlich war und wir Themen wie zum Beispiel Urheberrechte überhaupt nicht besprochen haben, obwohl Kenntnisse in diesem Bereich für die gefahrlose Nutzung des Internets signifikant sind. Darunter verstehe ich beispielsweise das Wissen darüber, welche Musik man für öffentliche Videos verwenden oder welche Streamingseiten man besuchen darf, sodass unverhoffte Geldstrafen ausbleiben.

Dennoch habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche am besten selbstständig lernen und mit einem Internetführerschein könnte ihnen dieser Spaß genommen werden. Auch der Medienforscher Prof. Perke spricht sich gegen einen Internetführerschein aus, da Kinder motiviert sind, von sich aus Medienkompetenz zu erwerben.

Aber für mich ist entscheidender, dass Jugendliche sich sicher im Netz bewegen können. Denn nachdem sie genügend Kentnisse gesammelt haben, gibt es nach wie vor unzählbar viel zu entdecken, nur können sie dabei nun weitaus gefahrloser vorgehen. Hinzu kommt, dass jeder wissen sollte, wie man sich unkompliziert gegen Computerviren schützt. Das heißt, dass man wissen sollte, woran man einen Virus erkennt und wie man ihn davon abhält auf den Computer zu gelangen. Mein Vater musste sich beispielsweise vor einem Monat eine neue Festplatte kaufen, weil er nicht bemerkt hatte, dass ein Virus diese langsam zerstört hatte.

Hiergegen ist einzuwenden, dass man für den Internetführerschein vermutlich einige Grundlagen zum Computervirenschutz einüben müsste, aber wohl kaum in der Lage wäre, komplexe Viren außer Gefecht zu setzen. Außerdem kann man entgegensetzen, dass das Surfen im Internet nicht wie Autofahren ist. Wenn man falsch surft, verletzt man niemanden. Das heißt, wenn ich nicht gezielt recherchieren kann, ist die einzige Konsequenz daraus, dass ich länger suchen muss.

Man hat zwar Recht, wenn man sagt, dass man im Internet niemanden verletzt wie bei einem Autounfall, dennoch kann man anderen beträchtlichen Schaden zufügen, wenn man sich dort nicht richtig verhält. Ein passendes Beispiel dafür ist Cybermobbing. Daher ist das entscheidende Argument für die Einführung eines Internetführerscheins für mich die Möglichkeit, Cybermobbing vorbeugend zu verhindern. Darunter verstehe ich, über die Entstehung und die Folgen von Mobbing zu sprechen und zu lernen, wie man sich verhalten soll, wenn man Opfer oder Zeuge davon wird.

Andererseits halte ich dagegen, dass Aufklärung einige Menschen nicht davon abhält, andere zu verletzen, da diese es nicht tun, weil sie sich ihren Taten nicht bewusst sind, sondern weil es ihnen schlicht und ergreifend egal ist oder schlimmstenfalls sogar amüsiert. Besonders wichtig und gegen die Einführung des Internetführerscheins spricht die Situation eines/einer Jugendlichen, der/die die Prüfung nicht besteht. Ihm/Ihr wäre der Zugang zu wichtigen Informationen, die man nur im Internet erhält, verwehrt. So hätte er/sie zum Beispiel erhebliche Probleme bei der Vorbereitung eines Referates. Zudem wäre er/sie vom Freundeskreis abgeschnitten, da Jugendliche zunehmend über WhatsApp kommunizieren.

lost-1605501_1920Dieses Argument ist zwar durchaus nachvollziehbar, jedoch bedeutet der Fakt, dass man die Prüfung nicht bestanden hat, letztendlich, dass man noch nicht bereit ist, das Internet zu nutzen. Schließlich lässt man eine Person, die ihre Fahrprüfung nicht bestanden hat, nicht einfach trotzdem Autofahren, nur weil sie ihre Freunde besuchen möchte. Der fehlende Zugang zum Internet dient also, genau wie bei der fehlenden Erlaubnis, Auto zu fahren,lediglich dem Schutze der durchgefallenen Person und anderen Internetnutzern bzw. Autofahrern.

Nach dieser Gegenüberstellung bin ich immer noch der festen Überzeugung, dass die Einführung eines verpflichtenden Internetführerscheins absolut notwendig ist. Zu klären ist noch, ob es Vorschläge zu dessen Umsetzung gibt. Hierzu möchte ich sagen, dass ich es für sinnvoller halte, wenn der Internetführerschein für alle Altersklassen gilt und dass regelmäßig überprüft wird, ob alle Internetnutzer in der Lage sind, sich im Netz richtig zu verhalten, damit auch Erwachsene mit dem Internet umgehen können und dauerhaft für Sicherheit gesorgt ist. Darüber hinaus sollte man selbstverstandlich die Möglichkeit haben, die Internetführerscheinprüfung zu wiederholen, falls man sie beim ersten Mal nicht bestanden haben sollte.

,
2 comments on “Pro Internet-Führerschein – So argumentiert eine Schülerin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.