Das argentinische Schulsystem

Das argentinische Schulsystem ist für gute PISA-Ergebnisse wie geschaffen: Die ersten neun Schuljahre lernen alle Schüler gemeinsam. In weiteren drei Jahren spezialisieren sich die Schüler in den Oberschulen auf Bereiche wie Technik oder Wirtschaft. Offiziell können 98 Prozent der Argentinier lesen und schreiben, in Deutschland sind 99 Prozent. Doch die Schulbildung lässt insgesamt zu wünschen übrig. Beim letzten PISA-Test belegte Argentinien Platz 58 von 65.

Stadt-Land-Gefälle

Buenos Aires, Ausschnitt

Buenos Aires, Ausschnitt

Mädchen und Jungen außerhalb der großen Ballungsräume Buenos Aires, Cordóba, Rosario und Mendoza haben es besonders schwer: Sie sind tagsüber eher beim Schafe- und Ziegenhüten als in den verfallenen Gebäuden der Dorfschulen zu finden, um es überspitzt zu formulieren. Durch Kürzungen der Regierung stehen den öffentlichen Schulen weniger Mittel als den gebührenpflichtigen Privatschulen zur Verfügung. Die Klassenzimmer sind oft überfüllt und schlecht ausgestattet. Stellen werden nicht besetzt, an der Aus- und Fortbildung der Lehrer wird gespart, und Lehrkräfte verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen an Privatschulen wie der DSD-Schule in Bariloche. Ein wichtiger Punkt, denn mit dem Gehalt sinkt auch das Ansehen des Lehrerberufs. Der ist in Argentinien typisch weiblich: Über 80 Prozent der argentinischen Lehrkräfte sind Frauen.

Unterrichtsversorgung

Straßenblokade der Lehrergewerkschaft

Straßenblokade der Lehrergewerkschaft

Der Unterricht in argentinischen Schulen fällt an ca. 30 Tagen im Jahr auswegen Krankheit, fehlendem Personal und weil Lehrer und Schüler für mehr Lohn und bessere Lehr- und Lernbedingungen streiken. 42.000 gut ausgebildete Lehrer müssten derzeit in Argentinien eingestellt werden, um alle offenen Stellen zu besetzen. Doch der Anteil der Lehrergehälter an den nationalen Bildungsausgaben sinkt seit 2003. Auch die Ausgaben je Schüler sind vergleichsweise gering: Argentinien gibt je Grundschüler 1.826 Euro jährlich aus, in Deutschland sind es 4.552 Euro, in Norwegen sogar 7.910 Euro.

Quellen und weiterführende Informationen: